Meine Worte für 2016

Seit vielen Jahren lese ich bei Chris Brogan seine drei Wörter für das jeweils neue Jahr. In 2016 sind diese „Home. Shine. Win„. Auf den ersten Blick merkwürdige Begriffe, aber wenn man den Artikel liest und seine anderen Jahre anschaut, versteht man schon mehr.

Meine drei Worte für 2016 reflektieren besonders auf meine Erfahrungen in den letzten zwei Jahren, besonders die letzten 15 Monate in denen ich mich intensiv jeden Tag mit der deutschen Blogosphäre beschäftigt habe. Dazu die viele Veranstaltungen (besucht oder organisiert), auf denen mich immer wieder der Wissenstand der Teilnehmer erschüttert und die Erkenntnis, dass es noch ein langer Weg ist, bis der normale Deutsche sich gerne und fließend auf Englisch unterhält. Meine drei Worte sind daher:

Deutschsprachig: Bewusst aus dem Bild rausgelassen. Mein Arbeitsalltag ist zu 80% englischsprachig und ich lebe zum Glück in einer Stadt, wo Besucher und Expats sehr lange nur mit Englisch zurecht kommen. Ich habe vor vielen Jahren bewusst alle meine Profile auf „nur Englisch“ geshiftet und diese bleiben auch meine Hauptprofile. Allerdings gibt es immer wieder Gelegenheiten, wo „deutsch mit deutsch“ reden will, oder ich auf Deutsch Inhalte posten möchte. Theoretisch könnte ich beim Schreiben von jedem Beitrag sagen „das ist diese Sprache“ und die Technik könnte entscheiden, wer das liest, aber das ist auch in 2016 noch Traummusik. Deswegen der Schritt zu einem rein deutschen Blog. Der deutsche Twitter-Account wird von mir schon lange entsprechend genutzt (@nicolesimonde / @nicolesimon), und die deutsche Facebook-Seite wird nicht nur Artikel von diesem Blog zeigen, sondern auch andere Hinweise, Verlinkungen usw. Wer mit mir auf Facebook befreundet ist, kann daher bitte auch dieses quasi FB-Profil liken. 😉

Tools und Taktiken: Ich erkläre Computer seitdem ich meinen ersten bekommen habe -1984. Professionell seit 1998. Und ich finde es erschütternd, wenn ich in 2016 gestandenen „Profis“ immer noch erklären muss, wie man ein einfaches Posting in Facebook erstellt. Dieses Twitter benutzt. Vielfach ist man sogar fast ein wenig stolz drauf. Erinnert mich an die 90er, wo die meisten Manager genauso stolz darauf waren, daß sie mit Computern nicht umgehen konnten. Speziell im deutschen Netz kommt noch die Sprachbarriere hinzu: Viele Informationen – speziell die für Einsteiger aber auch für Fortgeschrittenen – sind einfach nicht verfügbar. Selbst wenn viele lernen wollen, finden sie nicht die passenden Ressourcen. Mein Ziel für 2016 ist daher meinen Beitrag zu liefern, und diesen Zustand verbessern.

Eine wichtige Taktik die ich vermitteln will? Ausreichend Englisch können, damit man sich international beteiligen kann.  Warum?
Ludwig Wittgenstein: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. 

Anders als viele Expats hier in Berlin, die null Kenntnisse in Deutsch haben und für die es richtig schwer ist die Sprache zu lernen, haben die meisten Deutschen mehrere Jahre Englisch in der Schule gehabt. Die Grundlagen sind alle da: Gramatik, Zeiten, Vokabeln. Es ist kein Lernen der Sprache notwendig, sondern nur ein „wieder hervorholen und trainieren“. Dafür gibt es Werkzeuge und Taktiken. Ein gebildeter West-Europäer in 2016 sollte es als selbstverständlich erachten, fließend Englisch zu verstehen und sprechen zu können.

Vernetzung:  Die deutsche Blogosphäre ist know-how-technisch auf dem Stand der USA von 2005. Es gibt lauter kleine Kreise, die sich ein bisschen kennen und kaum einer gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot. Anstatt sich im Ausland umzuschauen wie die das machen und was erfolgreich ist, will jeder nur vor sich hinsenden und möchte Aufmerksamkeit auf sich. So funktioniert das nicht.

Anlässe wie Silvester in Köln u.a. bringen Mails von europäischen Freunden „Wo kann ich die Blogartikel finden, wo die Deutschen sich austauschen“. Firmen fragen mich „und wie können wir deutsche Blogger erreichen / kontaktieren?“ oder „wer sind die Multiplikatoren im deutschen Netz“. Gibt es wenige bis gar nicht. Bevor der riesige Aufschrei kommt: Wer, ausser vielleicht 2-3 dutzend Blogger, hat eine solche Reichweite, das eine Nachricht quer durch die ganze Bloggerlandschaft geht? Kaum jemand. Innerhalb einiger sehr eng vernetzter Szenen geht das (speziell Netzkultur-Umfeld, SEO und Ecommerce, Tech & GAdget, auch Fashion / Beauty / Mammy) aber das war es dann auch. In vielen Fällen sind es Firmen bzw. Magazine statt persönlich geführter Blogs.

Ich sage dazu immer „jeder will senden, keiner will zuhören“ – mein Ziel für 2016 ist „zuhören und das Gehörte dann senden“. Dabei wird man viel ausprobieren müssen, bis man etwas findet, was funktioniert. Ein erster Schritt ist die Aktion #bizblogparade. Damit möchte ich zunächst bis zur Republica Blogparaden 2016 aus dem Bereich Business, Online Marketing und Arbeitsalltag sammeln. Ziel: Blogger sollen einfach sehen können, welche Blogparaden gerade offen sind.

Ich freue mich auf Input und Gespräche, mehr Vernetzung und Austausch.

 

 

One Response

  1. Reinhard Kröger 29. April 2016